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WENN LANGEWEILE ZUM VERHÄNGNIS WIRD

Langeweile ist wichtig für Kinder. Entwicklungspsychologisch ist die Aussage damit zu begründen, dass Kinder in langweiligen Situationen dazu angeregt werden, ihre Fantasie zu benutzen. Im Idealfall wird ein Kind in Zeiten der Langeweile kreativ und bekommt es fertig, sich selbst Input zu geben. Doch entgeht einem Kind Tag für Tag der Sinn bei seinen Tätigkeiten, kann dies zu Problemen führen.

 

Anmerkung der Redaktion

Leider ist die Boreout-Forschung noch lange nicht so weit, wie die Burnout-Forschung. Und gerade in Bezug auf Kinder wird oft nur über hochbegabte Kinder geschrieben, die vom Boreout betroffen sind. Man begeht einen schmalen Grad, versucht man abzustecken, was für ein Typ Kind ab wann und aus welchen Gründen meist in der Schule in eine Unterforderung, in eine Nicht-Forderung oder auch in eine Sinnlosigkeit rutscht. Auch psychische Störungen können Kinder beispielsweise in der Schule in eine Boreout-Situation bringen. Dies bedeutet die Kinder können unter den Symptomen des Boreouts leiden, auch wenn sie nicht zur Gruppe der Hochbegabten zählen.

Auch der Begriff "Boreout" ist unter den Forschern umstritten. Viele würden Bezeichnungen, wie "Sinnlos-Syndrom" bevorzugen. So erklärt Suzanne Grieger-Langer in ihrem kurzen Video, das wir euch unten angehangen haben, kurz und eindrücklich, dass auch eine Beschäftigung, die sinnlos wirkt, in die Unterforderung führen und deprimieren kann.

 

Langeweile kann aber auch zu viel werden: Das Boreout-Syndrom

 

Langweilen sich Kinder allerdings zu viel, sei das nun im Unterricht oder auch zuhause, kann dies tatsächlich schwerwiegende Folgen nachsichziehen. Gerade was den Unterricht betrifft, geraten Kinder und Jugendliche hier schnell in eine Negativspirale. Sind die sie zunächst vom aktuellen Stoff unterfordert und verlieren so die Motivation und das Interesse an der Unterrichtsteilnahme, so überlegen sie sich andere Dinge, die sie im Unterricht tun könnten. Das gleiche gilt auch für Kinder, die aufgrund ihrer aktuellen Lebenssituation (bspw. Vernachlässigung durch die Eltern, Probleme zuhause …) die Sinnhaftigkeit eines Schulbesuchs nicht greifen können. Oft führt dieses Reaktionsverhalten der Schüler zur Störung des Unterrichts. Sei es durch das Herumrutschen auf dem Stuhl oder das Spielen mit Stiften oder auch, indem sie andere Schüler ablenken. Weiterhin verpassen sie durch das "Verweigern des Unterrichts" irgendwann schlichtweg den Anschluss und kommen daraufhin leider dem Klassenziel doch nicht mehr hinterher.

Nun könnte man sagen, die Kinder und Jugendlichen haben sich einfach zusammenzureißen, aber das ist gar nicht so einfach! Selbst Erwachsene schaffen das nicht. Manch einer würde sich wundern, nehme er bei einem großen Meeting einer Firma teil, bei dem primär ein Redner über eine Stunde hinweg spricht. Da werden private Mails über die Smartphones versendet oder es wird online geshoppt, was beides aus Langeweile geschieht und überhaupt nichts mit dem Meeting zu tun hat und prinzipiell auch dem Redner gegenüber respektlos ist. Ist die Moral der Geschichte dann, dass Erwachsene sich einfach besser tarnen können und Kinder und Jugendliche das Pech haben, keine Smartphones im Unterricht nutzen zu dürfen?

Doch es geht nicht nur darum, dass Kinder im Endeffekt dem Unterricht nicht mehr folgen (können), sondern um tatsächliche Krankheitsbilder, die daraus entstehen können. Denn das Boreout-Syndrom ist das Pendant zum Burnout-Syndrom und ein absolut ernstzunehmendes Krankheitsbild.

 

Burnout vs. Boreout

 

Dieser sog. Burnout ist den meisten Menschen ein Begriff. Ein Burnout ist die Folge einer andauernden Überforderung des Betroffenen, andauernden Stresses, also einer andauernden Überbelastung. Gesellschaftlich ist dieses Krankheitsbild mittlerweile anerkannt und es gibt bspw. eigene Burnout Behandlungszweige in Kliniken. Im Gegensatz zum Boreout, das das durch eine ständige Unterforderung entsteht oder durch die Sinnlosigkeit einer täglichen Tätigkeit, ist das Burnout, wie bereits erwähnt, gesellschaftlich als psychische Erkrankung mit starken körperlichen Symptomen anerkannt. Da es für die Mehrheit in unserer Leistungsgesellschaft einfacher nachzuvollziehen ist, dass sich ein Mensch überarbeitet, als dass er aufgrund von Unterforderung leidet. Denn das bedeutet im Umkehrschluss, dass der Betroffene, salopp gesagt, einmal sehr fleißig war, bevor es ihm dann zu viel wurde. Leidet ein Mensch aber am Boreout, so war er der landläufigen Meinung ja eher faul ...

 

Das Boreout: Die Symptome

 

Mental:

  • depressive Verstimmungen
  • Lustlosigkeit
  • Trägheit
  • Müdigkeit (einhergehend mit Schlaflosigkeit, -störungen
  • Gereiztheit
  • Unzufriedenheit

 

Körperlich:

  • Schwindel
  • Tinnitus
  • Magenbeschwerden
  • Kopfschmerzen
  • Sehstörungen

 

Die Aufzählung der Symptome erfolgt nur beispielhaft. Nicht jeder Betroffene weist all diese Symptome auf. Allerdings ähneln diese Symptome auch denen, durch das Burnout verursacht. Ebenfalls bedeuten diese Symptome, oder auch nur ein Teil davon, große Einschränkungen und Belastungen im Alltag. Und sie verstärken sich natürlich gegenseitig. Ist der Betroffene beispielsweise nicht ausgeschlafen, so ist er im Alltag selbstverständlich wiederum wenig belastbar und gereizt, weiterhin neigt er zu Kopfschmerzen.

 

 

Welche Hilfen gibt es für unterforderte Kinder?

 

Zunächst einmal muss das Problem natürlich erkannt und auch von allen Seiten ernst genommen werden. Das bedeutet, Kinder, Eltern, Lehrer und auch Ärzte müssen im Dialog miteinander stehen und Lösungsstrategien entwickeln. Dabei steht natürlich die Genesung, also die Bekämpfung der Symptome im Vordergrund. Am wahrscheinlichsten ist eine Genesung, wenn das Kind erst einmal aus dem belastenden Setting, meist der Schule, für eine Zeitlang herausgenommen wird und adäquate Therapien erhält. Alleine durch diese Verschnaufpause werden viele Kinder schon entlastet. Weiterhin können autogenes Training, Gesprächstherapie oder auch Sport helfen. Hierbei ist ein guter Ansatz, für diese Auszeit von der Schule, einen sehr strukturierten Alltag zu schaffen, der aber nicht gleich zu Termindruck führen darf. Mit der Zeit werden idealerweise die Symptome nachlassen und das Kind kann sich wieder erden.

Fraglich ist natürlich, wie gut berufstätige Eltern ihren Kindern solch eine Auszeit ermöglichen können. So ist es oft auch eine mögliche Lösung, die Schule zu wechseln. Den sollte sich durch Testungen herausstellen, dass das Kind beispielsweise hochbegabt ist, so wäre eine Schule eigens für Hochbegabte eine gute Idee, um das Kind in Zukunft angemessen zu fordern und zu fördern. Auch bei normal begabten Kindern kann der Schulwechsel helfen, da er schlichtweg einen Neuanfang bedeutet. Dabei muss selbstverständlich abgewogen werden, ob die Trennung von den Freunden schwerer wiegt als das Problem.

 

 

Achtsamkeit und Aufmerksamkeit

 

Mit diesem Blogbeitrag wollten wir auf das Boreout-Syndrom als ernstzunehmendes Störungs- oder Krankheitsbild aufmerksam machen. Hier sollen keine definitiven Lösungswege vorgegeben werden, sondern mögliche Ansätze. Sollte also die Vermutung eines Kinder-Boreouts im Raum stehen, so müssen Eltern in den Dialog mit Kind, Lehrern und Schule treten. Weiterhin sollte psychologische sowie ärztliche Unterstützung sowie Hilfe in Anspruch genommen werden, um so ein stimmiges Hilfspaket auf den Weg zu bringen.

 

Hier eine anschauliche Erklärung der Profilerin Suzanne Grieger-Langer

Doch was ist, wenn der Sinn im Alter fehlt?

 

Nun haben wir uns gezielt dem Boreout bei Kindern gewidmet, nachdem wir festgestellt haben, dass die Forschung hier im Allgemeinen und gerade in diesem Bereich noch nicht wirklich Fuß gefasst hat. Aber was geschieht eigentlich in der Rente, im Alter? Wenn der Arbeitsalltag wegfällt, der für viele den Sinn des Lebens ausmacht? Die Daseins-Berechtigung. Was ist, wenn es keine Familie gibt, um die man sich noch kümmern kann? Keine Enkel vom Kindergarten oder der Schule abzuholen? Oder, um sie am Wochenende zu betreuen? Das Modell Großfamilie, bei dem alle sogar in einem Haus leben, besteht schon längst nicht mehr und das wiederum heißt, dass viele Menschen im Alter Isolation erfahren und das nicht nur in den eigenen vier Wänden. Für einen Großteil unserer Gesellschaft führt der Lebensabend irgendwann in ein betreutes Wohnen oder Altenpflegeheim, wo oftmals der Mangel an Personal und finanziellen Mitteln Srukturen schaffen, die alten Menschen sogar vorzeitig die Kernkompetenz der Selbstversorgung nehmen. Wenn also noch die letzten Tätigkeiten wegfallen und man in vorgefertigte Beschäftigungsprogramme gezwängt wird, da ist es vorprogrammiert, dass das Hirn einfach frühzeitig abschaltet. Der fremdbestimmte Tagesablauf lässt keinen wirklichen Sinn, außer der Lebenserhaltung, mehr erkennen. Und so ist ein Boreout bei einem Menschen im hohen Alter vorprogrammiert, obwohl die geistigen und körperlichen Fähigkeiten noch da wären. Aber leider bauen diese dann sukzessive ab. Ein ganz anschauliches Beispiel ist hier doch die Milchbäuerin, die bis zu ihrem 70. Lebensjahr voll angepackt hat, dann ins Altersheim kommt und nach wenigen Monaten verstirbt, weil sie keinen Sinn mehr im Leben hatte.

 

Unser Fazit

 

Egal in welchem Lebensalter: Es ist überlebenswichtig, Sinn zu schaffen!

 

Quellen bzw. weiterführende Artikel

https://www.familie-und-tipps.de/Gesundheit/Boreout.html

http://archiv.omnisophie.com/day_188.html

https://www.justme-coach.de/blog/boreout-und-sinnkrisen/

https://www.seele-und-gesundheit.de/diagnosen/boreout.html

https://www.youtube.com/watch?v=qnMpJ26p6pI